Der Energie- und Klimaplan der Deutschsprachigen Gemeinschaft
Die Deutschsprachige Gemeinschaft und ihre neun Gemeinden sind dem EU-Bürgermeisterkonvent beigetreten. Gemeinsam entwickelten sie den Energie- und Klimaplan. Der Plan umfasst 30 konkrete Maßnahmen in fünf Bereichen. Diese Maßnahmen reichen von der energieeffizienten Sanierung öffentlicher Gebäude über den Ausbau der Windenergie bis hin zur Verbesserung des Rad- und Fußverkehrs. Die Umsetzung erfolgt auf Gemeindeebene oder in Kooperation mit verschiedenen Partnern. Mehr erfahren Sie im Energie- und Klimaplan im Download unter „Mehr zum Thema“ und hier im Kurzüberblick:
Mobilität / Transport
Rund ein Drittel der CO2- Emissionen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft geht auf die Mobilität zurück. Die Lösung lautet sanfte Mobilität und alternative Antriebstechniken. Konkret sieht der Energie- und Klimaplan Folgendes vor:
- den Rad- und Fußverkehr in der Deutschsprachigen Gemeinschaft qualitativ und quantitativ verbessern
- Mobilitätsmanagement an Schulen und Kindergärten
- den Mobilitätsbedarf mindern
- die Nutzung alternativer Antriebe und Kraftstoffe fördern
- betriebliches Mobilitätsmanagement
- den öffentlichen Personennahverkehr und Multimodalität unterstützen
Wohngebäude
Wohngebäude verursachen rund ein Drittel der CO2- Emissionen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Sanierung sowie Sensibilisierung sind wichtig, um den Wohnbestand nachhaltiger und klimafreundlicher zu gestalten. Hierzu beinhaltet der Energie- und Klimaplan folgende Maßnahmen:
- Sanierungsoffensive Wohngebäude
- behutsamer und nachhaltiger Neubau
- Nutzerverhalten
- Stromsparoffensive
- Kommunikation
Öffentlicher Sektor
Der tertiäre Sektor (ca. 15%), die Industrie (ca. 15%) und die Landwirtschaft (ca. 2%) verursachen das letzte dritte Drittel der Gesamtemissionen in Ostbelgien. Da die Deutschsprachige Gemeinschaft keine Zuständigkeiten für Industrie und Landwirtschaft hat, flossen hierzu keine Maßnahmen in den Energie- und Klimaplan ein.
Allerdings umfasst der tertiäre Sektor den öffentlichen Sektor. Folgende Maßnahmen stehen im Energie- und Klimaplan definiert:
- Erstellung gemeindespezifischer Aktionspläne
- Sanierungsfahrplan öffentliche Gebäude
- Energieträgerwechsel / vollständige Substitution von Heizöl
- energiesparendes Verhalten in öffentlichen Gebäuden
- Austausch der öffentlichen Beleuchtung
Erneuerbare Energien
Eine wichtige Maßnahme, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, ist, erneuerbare Energien zu nutzen. In Ostbelgien besteht vor allem Potenzial in den Bereichen Windenergie und Photovoltaik. Dazu erfolgte eine detaillierte Analyse. Die offizielle Zuständigkeit der Erneuerbaren Energien liegt jedoch weiterhin bei der Wallonischen Region. Die Zuständigkeit zur Gewährung von Zuschüssen im Hinblick auf die Förderung von Wärme aus erneuerbare Quellen und zur rationellen Energienutzung liegt seit 2020 bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Der Energie- und Klimaplan sieht folgende Maßnahmen vor:
- Ausbau Windenergie
- Ausbauoffensive PV auf Dachflächen
- Ausbauoffensive Solarthermie auf Dachflächen
- Energieträgerwechsel von Heizöl auf Pellets
- Wärmepumpen mit Erdwärmekollektoren für Neubauten
- KWK in öffentlichen und privaten Gebäuden
- Ausbau Nahwärmeareale
Hintergrund: Was ist der Bürgermeisterkonvent
Der Bürgermeisterkonvent wurde 2008 von der Europäischen Kommission gegründet. Inzwischen gehören ihm mehr als 10.000 Kommunal- und Regionalverwaltungen in 57 Ländern an.
Im Frühjahr 2017 sind die neun Gemeinden in der Deutschsprachigen Gemeinschaft unter der Koordination des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft dem Bürgermeisterkonvent für Energie und Klima als supralokale Aktionsgruppe beigetreten.
Ziel und Vision
Ziel des Konvents ist es, ganze Gebiete (von Gemeinden über Hauptstädte bis Metropolregionen) zusammenzubringen und organisatorisch zu unterstützen, die sich freiwillig dazu verpflichten, die Klima- und Energieziele der EU zu erreichen oder zu übertreffen.
Die Unterzeichner haben sich auf eine Vision für das Jahr 2050 geeinigt, die auf drei Säulen basiert:
- die Dekarbonisierung ihrer Gebiete soll beschleunigt werden
- die Anpassungsfähigkeit an die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels soll gestärkt werden
- es soll gewährleistet werden, dass ihre Bürger sichere, nachhaltige und erschwingliche Energiequellen nutzen können
Wozu sich die Unterzeichner verpflichten
Indem die Unterzeichner dem Bürgermeisterkonvent beitreten, verpflichten sie sich zur Erstellung eines Aktionsplans für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Dieser Aktionsplan ist 2019 als „integrierter Energie- und Klimaplan für die Deutschsprachige Gemeinschaft“ in Zusammenarbeit mit den neun deutschsprachigen Gemeinden veröffentlicht worden.