Zusammenarbeit im In- und Ausland

In Belgien ist Jugendpolitik Aufgabe der Gemeinschaften. Das bedeutet, dass jede Gemeinschaft selbstständig entscheiden kann, wie sie ihre Jugendpolitik unter Berücksichtigung ihrer kulturellen und sprachlichen Besonderheiten ausgestaltet.

Innerbelgische Zusammenarbeit

Die Gemeinschaften innerhalb Belgiens arbeiten zusammen, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen und Erfahrungen auszutauschen. Zu diesem Zweck wurden beratende Gremien und Partnerschaften eingerichtet.

So hat die Deutschsprachige Gemeinschaft beispielsweise Zusammenarbeitsabkommen mit Flandern und der Französischen Gemeinschaft geschlossen.

Die Jugendpolitik in Belgien zeichnet sich durch folgende Aspekte aus:

Kulturelle Vielfalt

Belgien ist ein Land mit einer diversen Bevölkerung und verschiedenen kulturellen Hintergründen. Die Jugendpolitik ist auf diese Vielfalt abgestimmt und berücksichtigt sie. Dabei wird die Entwicklung integrativer Initiativen angestrebt, die den verschiedenen „Identitäten“ junger Menschen Rechnung tragen.

Lebendige Jugendarbeit

Die Jugendarbeit spielt eine wichtige Rolle in der Jugendpolitik der drei Gemeinschaften. So gibt es zahlreiche Jugendtreffs, Jugendeinrichtungen und Jugendorganisationen mit Aktivitäten und Programmen, die die Entwicklung und die Teilhabe von Kindern und jungen Menschen fördern.

Teilhabe der Jugend

Die Einbindung von Kindern und jungen Menschen in Entscheidungsprozesse zu fördern, ist ein besonders wichtiger Aspekt der Jugendpolitik. Dazu tragen folgende Akteure bei:

  • Jugendräte
  • Jugendeinrichtungen
  • Jugendinitiativen

Kindern und jungen Menschen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen und aktiv zur Politikgestaltung beizutragen.

Die Eigenheiten der Jugendpolitik in den drei Gemeinschaften spiegeln die komplexe administrative Struktur sowie die kulturelle und sprachliche Vielfalt unseres Landes wider. Folglich sind die fortwährende Zusammenarbeit zwischen den Gemeinschaften und die Berücksichtigung lokaler Kontexte zentrale Aspekte der Jugendpolitik.

Jugendaustausche „Bel’J“

Bel’J ist das gemeinsame Programm der drei Gemeinschaften für Jugendaustausche und Projekte. Es gibt jungen Menschen zwischen 12 und 30 Jahren die Möglichkeit, die anderen Gemeinschaften und ihre Kultur kennenzulernen. Bel’J wird vom Jugendbüro in der Deutschsprachigen Gemeinschaft verwaltet.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Programms.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre „Jugendpolitik in den drei Gemeinschaften Belgiens“, die unter Downloads heruntergeladen werden kann. Außerdem stehen unter den weiterführenden Links das „Youth Wiki“ und die Webseite des „Europäischen Wissenszentrums für Jugendpolitik (EKCYP)“ zu Informationssuche zur Verfügung.

Internationale Zusammenarbeit

Auf europäischer Ebene arbeiten Mitgliedsstaaten und EU-Kommission eng zusammen, um Jugendliche zu fördern. Dabei wird ebenfalls die „Zivilgesellschaft“, also auch Jugendliche und ihre Vertreter, einbezogen.

Rolle der EU

Die Mitgliedstaaten der EU sind selbst für die Jugendpolitik zuständig. Die Europäische Union ist die Plattform für Koordination, Zusammenarbeit und Austausch in diesem Bereich. Das bedeutet konkret, dass die Europäische Kommission den Gesamtüberblick hat und ihre Mittel zur Verfügung stellt, um z. B. Förderprogramme aufzulegen. Die Mitgliedstaaten können an den Programmen teilnehmen, sich auf europäischer Ebene untereinander austauschen und voneinander lernen.

EU-Förderprogramme

Die europäische Jugendpolitik ist eng mit den europäischen Förderprogrammen verzahnt. Europäische Mobilitätsprogramme wie Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps dienen der EU dazu, gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten, Politik umzusetzen und weiterzuentwickeln. Eine Besonderheit der Mobilitätsprogramme ist die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Instanzen und die dezentrale Umsetzung in den Mitgliedstaaten selbst.

Plattform Youth Wiki

Youth Wiki ist eine EU-Plattform, auf der jedes teilnehmende Land seine nationalen Bestimmungen und politisch interessanten Informationen zum Thema Jugend darstellt. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft übernimmt das Jugendbüro neben der Verwaltung der EU-Förderprogramme Erasmus+ und Europäischer Solidaritätskorps auch die Rolle des Nationalen Korrespondenten für das Youth Wiki.

Innerbelgische Abstimmung

In Belgien gibt die Verfassung den Gemeinschaften das Recht, in den Kompetenzbereichen, in denen sie zuständig sind, internationale Verträge und Abkommen zu unterzeichnen. Die internationale Ebene erwartet jedoch, dass Belgien mit „einer Stimme“ spricht.

Deshalb gibt es auf belgischer Ebene ein ausgetüfteltes System zur Koordinierung und Konsultation. Dieses ermöglicht das Abstimmen und Aushandeln einer einheitlichen belgischen Position, beispielsweise in den Bereichen Bildung und Jugend, wo die Gemeinschaften allein zuständig sind. Gelangen die Gemeinschaften dort nicht zu einem Einverständnis, muss sich Belgien seiner Stimme enthalten.

Rolle der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Als autonome gesetzgebende Gemeinschaft ist auch die Deutschsprachige Gemeinschaft an dieser Prozedur beteiligt. Des Weiteren hat sie die Möglichkeit, zum Wohle ihrer Bürger Fördermittel aus den europäischen Töpfen zu erhalten, die direkt vor Ort eingesetzt werden. Deshalb ist die Deutschsprachige Gemeinschaft auch über ihre Minister, Beamten und Nationale Agenturen in den relevanten nationalen und internationalen Gremien aktiv.

Geografisch gesehen ist die Deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen zwei europäischen Regionen eingeschlossen und befindet sich an der Grenze zu mehreren Sprachgebieten. Weitere Gründe sind das breite Spektrum der Befugnisse und die kleine Größe der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Um jungen Bürgerinnen und Bürgern zu ermöglichen, von dieser Eigenständigkeit bestmöglich zu profitieren, ist die Deutschsprachige Gemeinschaft äußerst aktiv in internationalen Initiativen und Netzwerken eingebunden. Dazu zählen die Benelux-Zusammenarbeit, die Kooperation im Rahmen der Großregion Saar-Lor-Lux und einige bilaterale Verträge.