Gebärmutterhalskrebs frühzeitig erkennen

Diese Krebsart (medizinisch: Zervixkarzinom) entsteht durch Gewebeveränderungen am Muttermund. Indem Sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen, kann ein eventuell entstehender Tumor rechtzeitig entdeckt werden. Wie das Früherkennungsprogramm in Ostbelgien aussieht und was Sie sonst noch darüber wissen sollten, erfahren Sie hier.

Was ist Gebärmutterhalskrebs und wie entsteht er?

Gebärmutterhalskrebs ist ein bösartiger Tumor, der am unteren Teil der Gebärmutter entsteht. Meist entwickelt er sich am Muttermund, dem Ausgang des Gebärmutterhalses, in die Scheide rein. Fast immer verursachen sogenannte humane Papillomaviren (kurz HPV) diese Erkrankung.

Papillomaviren gehören zu einer großen Familie von Viren, wovon einige Krebs verursachen können - auch Gebärmutterhalskrebs. Bei jungen Frauen zwischen 25 und 44 Jahren ist es die vierthäufigste Krebsart.

HPV verursachen bei Männern und Frauen Infektionen in den Geschlechtsorganen und im Analbereich. Sie sind auch für Infektionen im Mund- und Rachenraum verantwortlich. Die Übertragung erfolgt durch Hautkontakt im Intimbereich oder beim Geschlechtsverkehr – bereits beim ersten Mal kann es zu einer Ansteckung kommen.

HPV-Infektionen gelten als die am weitesten verbreitete sexuell übertragbare Infektion: Etwa 80 % der Menschen werden eines Tages mit einem humanen Papillomavirus infiziert sein. Unabhängig vom Geschlecht sind somit alle Menschen betroffen.

Die mit einer HPV-Infektion verbundenen Risiken variieren je nach HPV-Typ.
Die meisten dieser Infektionen bleiben unbemerkt und heilen innerhalb weniger Monate spontan ab. Andere entwickeln sich langsam und verursachen keine sichtbaren Symptome. In wenigen Fällen nistet sich das Virus jedoch für längere Zeit in den Zellen des Gebärmutterhalses ein und verursacht dort präkanzeröse Läsionen, die sich langsam entwickeln. Ein Krebs tritt im Durchschnitt erst nach 10 bis 15 Jahren auf.

Es gibt bis zu 150 verschiedene Virustypen. Davon kann ein Dutzend Gebärmutterhalskrebs verursachen, weshalb sie als Hochrisiko-Typen gelten. DNA- oder RNA-basierte HPV-Tests können diese nachweisen.

Woraus besteht das systematische Früherkennungsprogramm für Gebärmutterhalskrebs seit 2025?

Anfang 2025 fiel der Startschuss für ein neues Früherkennungsprogramm, organisiert und finanziert durch die Deutschsprachige Gemeinschaft.

Das Vorsorgeprogramm richtet sich an Frauen zwischen 25 Und 64 Jahren. Es ermöglicht, regelmäßig einen kostenlosen Abstrich durchführen zu lassen. Die Untersuchungen fallen je nach Alter unterschiedlich aus:

  • zwischen 25 und 29 Jahren: alle drei Jahre
  • zwischen 30 und 64 Jahren: alle fünf Jahre 

Seit 2025 ist ein HPV-Test die primäre Untersuchung für die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge für Frauen zwischen 30 und 64 Jahren. Dies beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen bzw. europäischen Leitlinien. Diese besagen, dass sich die HPV-Tests als wirksamer erwiesen haben in dieser Alterspanne als das primäre zytologische Screening, also der Pap-Test. Dazu finden Sie mehr Informationen in den weiterführenden Links.

Für Frauen der Altersgruppe von 25 bis 29 Jahren ist das primäre zytologische Screening, der Pap-Test, die beste Untersuchungsmethode.

Hinweis: Auch wenn Sie gegen HPV geimpft sind, ist ein Abstrich erforderlich. Dies gilt auch, wenn Sie in den Wechseljahren sind oder diese hinter sich haben.

Kosten

 

Der Abstrich und dessen Analyse im Labor sind kostenlos. Sie übernehmen lediglich den Eigenanteil für den Arztbesuch. Wenn Ihnen in einer Arztpraxis eine zusätzliche Untersuchung – also über das Früherkennungsprogramm hinaus - angeboten wird, tragen Sie die Kosten. 

Warum wird die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorgeuntersuchung für Frauen zwischen 30-65 Jahren nur noch alle 5 Jahre zurückerstattet und nicht mehr alle 3 Jahre?

Neu ist, dass für Frauen zwischen 30 und 65 Jahren ein HPV-Test als erste Testmethode genutzt wird und nicht mehr der Pap-Test. Ein HPV-Test untersucht, ob sogenannte Humane Papillomaviren (kurz HPV) vorhanden sind oder nicht. Falls ein HPV-Test positiv ausfällt, folgen andere Untersuchungsmethoden.

Dieser HPV-Test hat sich als wesentlich effizienter in der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in der Altersgruppe zwischen 30 und 65 Jahren erwiesen. So werden bei deutlich mehr Patientinnen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs erkannt.

Die Fähigkeit eines Tests, die tatsächlich erkrankten Personen zu erkennen, wird als Sensitivität bezeichnet. Im Vergleich zum HPV-Test hat der bisher verwendete Pap-Test bei den Frauen zwischen 30 und 65 eine niedrigere Sensitivität. Dies wurde ausgeglichen, indem der Pap-Test häufiger wiederholt wurde. Mit der neuen Methode (dem HPV-Test) ist die Untersuchung für Frauen zwischen 30 und 64 Jahren nun nur noch alle 5 Jahre notwendig.

Die Änderungen in der Zeitspanne zwischen den Vorsorgeuntersuchungen basieren auf neuen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, die von der Europäischen Union aufgegriffen und umgesetzt werden, so auch in Belgien.

Wie erfolgt der Abstrich?

Er erfolgt bei einer gynäkologischen Untersuchung. Ärztliches Fachpersonal aus der Gynäkologie oder der Allgemeinmedizin führt ein Spekulum, also einen kleinen Spreizer, in die Vagina ein, damit der Gebärmutterhals zu sehen ist. Mit Hilfe einer kleinen Bürste werden einige Zellen entnommen, indem diese über die Schleimhaut gerieben wird. Diese Entnahme ist eventuell etwas unangenehm, aber nicht schmerzhaft und dauert nur wenige Minuten.

Diese Probe schickt die Arztpraxis an ein Labor. Ein Labor führt danach, je nach Alter, eine zytologische Analyse (Pap-Test: Suche unter dem Mikroskop auf Veränderungen) oder einen HPV-Test (Suche nach Hochrisiko-HPV-Typen) durch. 

Die Ergebnisse gehen wiederum vom Labor an die Arztpraxis, wo die Probe entnommen wurde. Wenn die Resultate positiv ausfallen, bedeutet dies nicht unbedingt automatisch, dass sich eine Vorstufe oder Krebs entwickelt hat. Es bedeutet lediglich, dass Zellveränderungen vorhanden sind. Der Arzt entscheidet folglich, ob und welche weiteren Untersuchungen erforderlich sind, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Wer erhält eine Einladung, um beim neuen Vorsorgeprogramm mitzumachen? Was passiert danach?

Sie erhalten automatisch ein Einladungsschreiben vom Krebsfrüherkennungszentrum (Centre de Coordination et de référence pour le dépistage des cancers, CCRef), wenn

  • Sie zwischen 25 und 29 Jahren sind und Ihr letzter Abstrich vor mehr als 3 Jahren erfolgte
  • Sie zwischen 30 und 64 Jahren sind und Ihr letzter Abstrich vor mehr als 5 Jahren erfolgte

Vereinbaren Sie einen Termin in Ihrer Arztpraxis (Gynäkologie oder Allgemeinmedizin), wenn Sie die Einladung erhalten haben. Wählen Sie einen Tag, an dem Sie nicht Ihre Regel haben. Ansonsten kann der Abstrich weniger gut beurteilt werden.

Sie bezahlen den Arztbesuch, die Laboranalyse ist kostenlos.

Um das Früherkennungsprogramm für Gebärmutterhalskrebs umzusetzen, hat die Deutschsprachige Gemeinschaft einen Vertrag mit dem Koordinations- und Referenzzentrum für Krebsfrüherkennung ( Centre de Coordination et de référence pour le dépistage des cancers, CCRef) abgeschlossen.

Wie sehen die genauen Bedingungen aus, um am neuen Früherkennungsprogramm in Ostbelgien teilnehmen zu können?

  • Sie sind weiblich und zwischen 25 und 64 Jahre alt.
  • Sie haben eine belgische Nationalregisternummer.
  • Sie wohnen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
  • Sie leiden nicht bereits an Gebärmutterhalskrebs oder in der Vergangenheit.
  • Ihre Gebärmutter und Ihr Gebärmutterhals wurden nicht entfernt. Wenn nur Ihre Gebärmutter entfernt wurde (Hysterektomie), wird weiterhin ein Abstrich empfohlen. Sie zweifeln? Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Gynäkologen darüber.
  • Sie müssen für den Abstrich eine Praxis in Belgien aufsuchen.

Warum ist Früherkennung wichtig?

Wichtig ist, dass Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstadien früh entdeckt werden können, bevor Sie selbst etwas davon merken. Durch die Behandlung der Vorstadien kann verhindert werden, dass Sie Krebs bekommen.

Zudem können die Heilungschancen bei einem Tumor besser sein, wenn er früher entdeckt wird. Es lassen sich oft belastende Behandlungen vermeiden und das Risiko sinkt deutlich, an Gebärmutterhalskrebs zu sterben.

Untersuchungen haben ihre Grenzen

Keine einzige Untersuchung bietet jedoch vollständige Sicherheit. Deshalb ist es wichtig, sich direkt an Ihre Arztpraxis (Gynäkologie oder Allgemeinmedizin) zu wenden, wenn Veränderungen wie ungewöhnliche Blutungen oder andere Beschwerden auftreten - auch wenn ein Abstrich in der vorgegebenen Zeitspanne erfolgt ist.

Der Pap-Abstrich und der HPV-Test sind zwar aktuell die besten Untersuchungen, um Vorstufen rechtzeitig zu entdecken – sie haben jedoch ihre Grenzen. Wer sie regelmäßig machen lässt, muss damit rechnen, mindestens einmal im Leben einen auffälligen Befund zu erhalten – ohne dass sich dahinter etwas Ernsthaftes verbirgt.

Es ist möglich, dass Zellveränderungen (Dysplasien) entdeckt werden, die nie gefährlich geworden wären, denn manchmal räumt der Körper abweichende Zellen selbst auf. Weil der Arzt dies nicht vorhersagen kann, wird das Vorstadium sicherheitshalber doch behandelt. In diesem Fall war die Behandlung also nicht erforderlich und Sie wurden umsonst beunruhigt.

Solche sogenannten „Überbehandlungen“ gehören zur Früherkennung dazu. Denn es lässt sich nicht prognostizieren, aus welchen Dysplasien sich Krebs entwickelt und aus welchen nicht.

Warum ist es wichtig, sich und seine Kinder gegen humane Papillomaviren (HPV) impfen zu lassen?

Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen ist der beste Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs die HPV-Impfung. Sie empfiehlt sich insbesondere für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 25 Jahren. 

Hinweis: Ein Abstrich bleibt auch dann noch notwendig, wenn das Mädchen oder die Frau gegen HPV geimpft ist.

Die Kombination aus HPV-Impfung und Vorsorgeuntersuchung reduziert das Risiko einer fortgeschrittenen Krebserkrankung fast auf 0.