Die traditionelle bodengebundene Variante ist die bekannteste Form, um Fassaden zu begrünen

Konkret: Kletterpflanzen wachsen vom Boden an der Fassade hoch. Man unterscheidet zwischen

  • Selbstklimmern, die von selbst an der Fassade haften, und
  • Gerüstkletterpflanzen, die eine Rankhilfe benötigen

Selbstklimmer

Sie haben den Vorteil, keine Kletterhilfe zu benötigen. Mit ihren Kletterorganen (Haftscheiben oder -wurzeln) schaffen sie mit der Zeit eine flächenförmige Begrünung. Im Gegensatz zu Gerüstkletterern kann ihr Wuchs nicht gesteuert werden. Zudem brauchen sie einige Jahre, bis sie eine Flächendeckung erzielen.

Wilder Wein an Hauswand
 

Selbstklimmer wachsen weg vom Licht. Ihre lichtfliehenden Triebe suchen sich dunkle Ritzen und Öffnungen, was zu Bauschäden führen kann. Um dies zu vermeiden, sollten Selbstklimmer an unversehrten Fassaden angebracht werden. Geeignet sind Massivwände mit intaktem Putz, Sichtmauerwerk, Betonwände und massive fugenlose Vorsatzschalen.

Wände mit Holzfassaden oder Außendämmputz sollten vermieden werden. Die Dämmung kann unter der Last der Pflanze abbrechen. Das Gleiche gilt für sensible Bauteile wie Dächer, Fenster, Türen, Rollladenöffnungen oder Lüftungsgitter, die durch regelmäßige Rückschnitte freigehalten werden können.

Wer Selbstklimmer einsetzt, trifft eine Entscheidung auf Dauer. Nach dem Rückschnitt bzw. -bau hinterlassen die Haftorgane Rückstände auf der Fassade, was kostenintensive Renovierung nach sich zieht. Zudem gehen ökologische Leistungen und Lebensraumangebote verloren.

Systemaufbau

Keine zusätzliche Konstruktion nötig

Gestaltungsraum

  • Je nach Pflanzenwahl/-wuchs wird eine Flächenwirkung nach 5 bis 20 Jahren erzielt.
  • Die Pflanzenauswahl kann nach Textur, Farbgebung, Blütenstand und Belaubung (immergrün/sommergrün) variiert werden. 

Pflanzeneignung

Wurzelkletterer, Haftscheibenkletterer

Versorgung

  • Der Wasser- und Nährstoffbedarf wird aus dem Boden gezogen.
  • Die Pflanzenauswahl sollte nach dem Standort erfolgen (Licht- und Windverhältnisse, Bodentyp).

Vorteile

  • Geringer Investitionsaufwand
  • Witterungs- und Strahlungsschutz
  • Lebensraum für Insekten und Vögel. 

Nachteile

  • Kann bei ungeeigneten Untergründen Bauschäden verursachen
  • Im Vergleich zu anderen Kletterpflanzen bilden Efeubestände viel Totholz und können so die Brandgefahr erhöhen (siehe Pflege).

Pflege

Selbstklimmer brauchen regelmäßige Pflege. Ein periodischer Rückschnitt ist wichtig, um das Brandrisiko zu verringern und um sensible Bauteile freizuhalten. (1- bis 2-mal im Jahr)

Kosten

  • Investition ca. 0,40 €/m²
  • Pflege/Wartung ca. 15 €/(m².a), höhenabhängig

Pflanzenarten

  • Efeu (heimisch)
  • Kletterhortensie
  • Wilder Wein
  • einige Arten der Trompetenblume
  • Spindelstrauch

Gerüstkletterpflanzen und Spalierobst

Sie benötigen die gleichen Grundbedingungen (Nährstoff- und Wasserzufuhr) wie Selbstklimmer. Aber die Anwendungsbereiche sind wesentlich vielfältiger, da sie durch Kletterhilfen physisch vom Bauwerk getrennt sind. Somit ist es denkbar, sie entlang von Glasflächen, energieaktiven Flächen (Wärmedämmung, Luftkollektoren, …) und Freiflächen (Terrassen, Loggien, Balkone) einzusetzen.

Die Art der Kletterhilfe muss auf die Pflanzenwahl abgestimmt sein. Zusätzlich muss sich die Verankerung für die Fassade eignen. Kletterhilfen können die Gesamtlasten in den Boden führen, ggf. auch direkt durch ein Streifenfundament. So kommen sie ohne direkte Verbindung mit der Wand aus.

Die Art der Kletterhilfe ist abhängig vom Wuchsverhalten der Pflanze. Man unterscheidet zwischen:

als Spalierobst gezüchtete Birnen an einer Bretterwand

  • Spreizklimmern: Spreizklimmer benötigen waagerechte oder ausreichend lichte netz- bzw. gitterartige Kletterhilfen. Auch Spalierobst gehört zu den Spreizklimmern.
  • Winder (Schlinger): Diese Pflanzen winden sich um eine senkrechte Kletterhilfe.
  • Ranker: Diese Pflanzen halten sich mit Ranken an vorzugsweise gitter – oder netzartigen Kletterhilfen fest.

Indem man den Pflanzenabstand variiert, eröffnet sich eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten, ob als visuelle Raumerweiterung, Raumabschluss oder Blickschutz.

Das Spiel mit verschiedenen Pflanzenarten kann ebenfalls ein gestalterisches Element sein und erhöht gleichzeitig die ökologische Vielfalt. In Kombination mit Glasflächen (Wintergärten oder Glasfassaden) können sommergrüne Pflanzen auch energetische Vorteile bieten, indem sie im Sommer Schatten spenden und im Winter Sonnenlicht durchlassen.

In jedem Fall sollten die Pflanzenauswahl und die entsprechenden Kletterhilfen frühzeitig in die Planung mit einfließen. Eine kompetente Fachperson sollte die Planung und Umsetzung in die Hand nehmen.

Fakten auf einen Blick

Systemaufbau

  • Kletterhilfe/Spalier als separate Ebene (Stäbe, Seile Gitter, Netze)
  • Lastabtragung Wand
  • ggf. Boden (Streifenfundament)

Gestaltungsraum

Je nach Pflanzenwahl/-wuchs wird eine Flächenwirkung in 3 bis 12 Jahren erzielt. Die Pflanzenauswahl kann nach Textur, Farbgebung, Blütenstand und Belaubung (immergrün/sommergrün) variiert werden. 

Pflanzeneignung

  • Ranker (Spross- oder Blattstielranker)
  • Schlinger/Winder
  • Spreizklimmer
  • spalierbare Gehölze

Versorgung

Der Wasser- und Nährstoffbedarf wird aus dem Boden gezogen. Die Pflanzenauswahl sollte nach dem Standort erfolgen (Licht- und Windverhältnisse, Bodentyp).

Vorteile

  • Höhere Vielfalt als bei Selbstklimmern, variable Pflanzenwahl
  • Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten unabhängig von der Fassadenbeschaffenheit
  • Witterungs- und Strahlungsschutz. Blickschutz und Verschattung
  • Lebensraum für Insekten und Vögel
  • „Vertical Farming“ möglich

Nachteile

  • Höhere Investitionskosten und ggfs. Vorplanung von Nöten
  • Je nach Aufbau wird mehr Raum benötigt.

Pflege

  • bis 2-mal im Jahr sollten folgende Pflegemaßnahmen durchgeführt werden: Überprüfen der Wasser- und Nährstoffversorgung, ggfs. Düngen
  • Einflechten und Leiten der Pflanzen
  • Prüfung der Fassadenoberfläche sowie des Zustandes der Kletterhilfen und ihrer Befestigungspunkte
  • Schnittmaßnahmen (Rückschnitt oder Ausdünnung)
  • Entfernen von abgestorbenen Pflanzenteilen
  • Überprüfen auf Pflanzenschädlinge

Kosten

  • Investition ca. 36-120 Euro/m²
  • Pflege/Wartung ca. 10-20 Euro/(m².a), höhenabhängig.

Pflanzenarten

  • Spreizklimmer: Brombeeren, Kletterrosen sowie die Feld-Rose (Rosa arvensis). Davon Spaliere: Geeignete Spalierobstarten an Süd- und Westfassaden sind z. B.: Pfirsiche, Aprikosen, Birnen. An Nord- und Ostfassaden gedeihen Sauerkirschen und Frühapfelsorten.
  • Zu den Windern gehören z. B.: Waldgeissblatt (Lonicera periclymenum), Hopfen (Humulus lupulus). Blauregen (Wisteria sinensis) und Knöterich (Fallopia baldschuanica) gehören zu den Starkschlingern. 
  • Blattstielranker sind z. B. die Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) oder andere Clematis-Arten. Unter den Sprossrankern findet man z. B. die Weinrebe (Vitis vinifera).