Andere Regionen – selbe Herausforderungen
Dass die Anforderungen an ein Ehrenamt sich ändern, ist kein ostbelgisches Phänomen. Studien, Überlegungen und Herangehensweisen dazu findet man überall. Nachfolgend sind einige Organisationen aus anderen Ländern und Regionen aufgeführt. Über die weiterführenden Links erhalten Sie zusätzliche Informationen.
Schweiz
Das Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) hat die Studie „Die neuen Freiwilligen – Die Zukunft zivilgesellschaftlicher Partizipation“ veröffentlicht. Zusammengefasst: Sie untersucht, wie sich freiwilliges Engagement in der Schweiz wandelt und betont, wie bedeutsam es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.
Traditionell hat sich die Freiwilligenarbeit über formale Strukturen wie Vereine organisiert. Dieser Ansatz verliert an Bedeutung zugunsten flexibler und kurzfristiger Engagements. Die neuen Freiwilligen fordern mehr Mitbestimmung und Eigenverantwortung, sie möchten aktiv mitentscheiden.
Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für Vernetzung und Partizipation, was die Effizienz und Reichweite zivilgesellschaftlicher Aktivitäten erhöht. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass digitale Plattformen helfen können, lokale Engagements mit nationalen und globalen Initiativen zu verbinden.
Die Schweizer Fachstelle für Vereine „Vitamin B“ arbeitet intensiv mit den Ergebnissen dieser Studie. Sie hat zum Beispiel ein Fachblatt B-Dur zur Frage „Was macht den Verein attraktiv?“ gestaltet. Sie hat auch einen Podcast-Beitrag produziert zum Thema, was Vereine tun können, um für zukünftige Generationen von Freiwilligen attraktiv zu bleiben.
Vitamin B organisierte den Online-Impuls „Generation Z – neue Freiwillige aktiv im Verein“, in dem zwei junge Schweizerinnen darüber berichteten, was sie in Ehrenamt und Beruf suchen. Es gibt einen Mitschnitt, den Sie ansehen können.
Zum Thema Zusammenarbeit, Partizipation und junge Menschen ansprechen gibt es von Vitamin B ebenfalls eine Reihe aufbereiteter Informationen:
- Fachblatt B-Dur „Digitale Zusammenarbeit“
- Kurzvideos zur guten Zusammenarbeit im Verein
- Sammlung von Tools für die digitale Zusammenarbeit
- Fachblatt B-Dur „Partizipation“
- Arbeitshilfe „Platz machen – wie Vereine sich verjüngen“
- Arbeitshilfe „Social Media für Vereine“
- Alternative Versammlungsformate
Flandern
Das Projekt „Weldoeners“ macht mit zweistündigen Ehrenamtsprojekten neue Leute auf freiwilliges Engagement aufmerksam. Dafür hat der Vlaams Steunpunt Vrijwilligerswerk eine Toolbox für teilnehmende Vereine zusammengestellt.
EMJA, die Ehrenamtsplattform Ostbelgien, hat sich von diesem Projekt inspirieren lassen und bietet jährlich die „Schenke zwei Stunden“-Aktion an, die das Thema des punktuellen Engagements auf den Plan bringt.
Der Vlaams Steunpunt Vrijwilligerswerk koordiniert als flämisches Freiwilligenzentrum die Partner der flämischen koordinierten Freiwilligenpolitik. Er bietet:
- Beratung (Publikationen, Helpdesk, Modelldokumente und Tools etc.)
- Informationen (Webseite, Newsletter, Social Media, Telefon und E-Mail)
- Training und Studientage (Gesetzgebung, spezifische Themen)
- Sensibilisierung für Freiwilligenarbeit
Wallonie
Die Plateforme francophone du Volontariat (PFV) hat zum Ziel, Freiwilligenarbeit anzuregen, zu erleichtern und zu fördern. Ihre Arbeit ist auf vier Aufgaben ausgerichtet:
- Verteidigung und Förderung der Freiwilligenarbeit, wie sie in ihrer Charta definiert ist
- Beseitigung von Hindernissen bei der Ausübung der Freiwilligenarbeit
- Verbesserung der Qualität der Freiwilligenarbeit
- Verteidigung und Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder
Auf der Webseite finden Sie sehr gut recherchierte Informationen dazu, wer sich in Belgien freiwillig betätigen darf und ggf. unter welchen Bedingungen. Außerdem bietet die PFV Weiterbildungen für Ehrenamtliche und Vereine an.
Deutschland
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) hat einen Ratgeber veröffentlicht, der sich damit beschäftigt, wie man Ehrenamtliche gewinnt. Er bietet eine umfassende Sammlung von Tipps und Strategien. Besonders spannend sind die Aussagen, dass:
- viele Menschen sich für punktuelles und langfristiges Engagement interessieren in klassischen Vereinen („gebundenes Engagement“) als auch anderswo („informelles Engagement“)
- Engagement nicht zurückgeht, viele junge Menschen jedoch speziell das Engagement in einem Verwaltungsrat nicht mehr erstrebenswert finden
- sich die jüngere Generation eine Mischung aus digitalem und Präsenz-Engagement wünscht
- besonders jüngere Menschen Wert auf Qualifikationen und Weiterbildungsmöglichkeiten über ein Engagement legen
- eine unterstützende und offene Organisationskultur langfristiges Engagement fördert
- Vereine flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen und neue Trends reagieren müssen
- effektive Kommunikationsstrategien entscheidend sind, um Aufmerksamkeit zu erregen und Interesse zu wecken
- digitale Vernetzung und flexible Strukturen immer wichtiger sind, um Freiwillige zu gewinnen und zu binden
- unterschiedliche Altersgruppen und Menschen mit Migrationshintergrund gezielt angesprochen werden sollten
Der Leitfaden enthält zahlreiche Beispiele erfolgreicher Initiativen, die auch darstellen, wie sie vorgegangen sind. Er zeigt, wie wichtig es für Vereine ist, sich zu hinterfragen und kontinuierlich die eigenen Strategien anzupassen, um erfolgreich neue Freiwillige zu gewinnen und langfristig zu binden. Sie finden darin eine Vielzahl von Checklisten, Reflexionsfragen und Übungen zur Unterstützung.
Eine Umfrage von Vostel beleuchtet und differenziert ebenfalls die Frage der Bedürfnisse neuer Ehrenamtlicher. Die Ergebnisse verdeutlichen interessanterweise, dass wir es nicht mit einer Totalverschiebung vom langfristigen auf das punktuelle Ehrenamt zu tun haben, sondern mit einem Sowohl-als-auch. Diese und auch der DSEE-Ratgeber sagen: Es gibt viele Menschen, die sich engagieren möchten. Aber zu anderen Konditionen und deutlich weniger in leitenden Positionen, sprich ohne den Verwaltungsaufwand.