Strategische Projekte

Die Deutschsprachige Gemeinschaft ist zuständig für die Raumordnung und arbeitet an einer eigenen Gesetzgebung. Die Raumordnung ist ein Leitziel der Zukunftsvision „Ostbelgien leben 2040“ (siehe Link unter „Mehr zum Thema“). Hier lesen Sie mehr zu den strategischen Projekten der Raumentwicklung.

Raumstrategien der Euregio Maas-Rhein: Ostbelgien als Raumlabor (OBL´EU)

Raumplanung ist ein Standortvorteil. Warum also sollten kleinere Regionen nicht gemeinsam planen und sich so im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte und Unternehmensansiedlungen gegenüber großen Ballungsräumen behaupten? Das dachten sich die Netzwerkpartner aus Parkstad Limburg, Städteregion Aachen und Ostbelgien und beschlossen, zusammenzuarbeiten. Das Projekt "Raumstrategien der Euregio Maas-Rhein: Ostbelgien als Raumlabor (OBL´EU°)" wird gefördert vom Small Project Fund (SPF) „People to People“.

Small Project Fund

Der Small Project Fund (Kleinprojektefonds) unterstützt Initiativen, die auf die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Organisationen im Dreiländereck Niederlande, Belgien und Deutschland abzielen. Weitere Infos dazu erhalten Sie im weiterführenden Artikel „Worum geht es?“.

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Worum geht es?

Bislang wurden die drei raumbezogenen Projekte in der Euregio Maas-Rhein (siehe unten, Artikel „Wie kam es zum Projekt?“) getrennt betrachtet. Zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Euregio wollen Ostbelgien, der Lehrstuhl Städtebau der RWTH Aachen und Parkstad Limburg ihre Erfahrungen nun bündeln. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer, trinationaler Schlüsselprojektideen, ergänzt durch ostbelgische Impulse. Bürgerbeteiligung und Bewusstseinsbildung spielen hierbei eine zentrale Rolle. Ein gemeinsamer Planungsprozess soll grenzüberschreitende Aktivitäten fördern.

Das internationale Planungsteam umfasst Akteure aus:

  • Wissenschaft (RWTH Aachen)
  • Politik und Verwaltung (Ostbelgien, Parkstad Limburg)
  • Wirtschaft (Wirtschaftsförderung Ostbelgien, Planungsbüros des Consortium L´EAU und die Grundeigentümer)
  • das New Regional Bauhaus in Heerlen

Der trinationale Austausch soll das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Planungskulturen stärken. Besonderes Augenmerk gilt der Sensibilisierung für Planung als Standortvorteil. Die starke Kooperation zwischen Parkstad Limburg und Städteregion Aachen soll gezielt um Ostbelgien erweitert werden.

Ein innovativer Aspekt ist die Einbindung sogenannter „Ex-Bürger“, also Bürger, die weggezogen sind, sowie zugezogene Neu-Bürger aus den Nachbarregionen. Diese Gruppen bieten durch ihre Außenperspektive wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der Region.

Am 2. Juli 2025 hat das SPF Selection Committee im Rahmen des „Small Project Fund – People to People“ den Projektantrag „Raumstrategien der Euregio Maas-Rhein: Ostbelgien als Raumlabor (OBL´EU)“ genehmigt.

Wie geht es weiter?

Ziel ist es, durch breite Bürgerbeteiligung Rückhalt für die entwickelten Projekte zu gewinnen. Die finale Vision der grenzüberschreitenden Entwicklung wird öffentlich vorgestellt.

Neben Befragungen und Beteiligungsformaten sind weitere Maßnahmen geplant:

  • Fachwerkstätten im New Regional Bauhaus Heerlen
  • eine Abschlussveranstaltung in Ostbelgien
  • eine Wanderausstellung

Öffentlichkeitsarbeit über Presse und soziale Medien begleitet den gesamten Prozess.

Die Projektlaufzeit ist vom 1. August 2025 bis zum 31. Dezember 2026 anvisiert.

Für weitere Informationen können Sie Lucyna Zalas, Referatsleiterin Regionalplanung, kontaktieren.

Wie kam es zum Projekt?

2020 hat die Wallonie Zuständigkeiten für Raumordnung, Wohnungswesen und Teile der Energiepolitik an die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens übertragen. Damit kann Ostbelgien eigene Gesetze in diesen Bereichen entwickeln. Im Zuge dessen arbeitet Ostbelgien an einer neuen Raumordnungsgesetzgebung. Grundlage ist ein Fachgutachten zur Raumstrategie, das ein zukunftsorientiertes Leitbild für die Siedlungs- und Landschaftsentwicklung liefert. Unter dem Titel „Ostbelgien Leben 2040“ wurde ein partizipativer Prozess mit lokalen Akteuren durchgeführt, begleitet vom Büro HJPplan+ aus Aachen. Ziel ist die Entwicklung innovativer Schlüsselprojekte auf Basis des Fachgutachtens.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft gilt als eine der bestgeschützten Minderheiten weltweit. Ihre überschaubare Größe und die kurzen Entscheidungswege bieten ideale Bedingungen, um als Raumlabor innerhalb der Euregio Maas-Rhein neue Projekte und Konzepte zu testen.

2022 beauftragte die niederländische Provinz Limburg, Parkstad und Economische Samenwerking Zuid-Limburg (ESZL) im Konsortium LEAU die RWTH Aachen damit, eine Raumstrategie für Zuid-Limburg im euregionalen Kontext (ZL’EU) zu entwickeln. Das Konzept zeigt, wie sich Regionen über physische und politische Grenzen hinweg zu einem gemeinsamen „Daily Urban System“ entwickeln können.

Parallel dazu arbeitet das Projekt „Rheinisches Revier 2038+“ an einer nachhaltigen Transformation dieser Region. Es behandelt Themen wie:

  • Siedlungsentwicklung
  • Wirtschaftsstandorte
  • Mobilität
  • Freiraumgestaltung
  • Klimaresilienz
  • Tourismus und Energie

Gewerbeflächenstrategie

Die Gewerbeflächenstrategie dient als Basis für eine neue Gesetzgebung zur Planung und Nutzung von Gewerbestandorten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Sie wurde 2023 ausgearbeitet.

Wie sollen Gewerbeflächen genutzt werden?

Gewerbeflächen müssen nachhaltig und strategisch sinnvoll im Sinne einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsregion geplant werden. Deshalb möchte die Deutschsprachige Gemeinschaft die industriell-gewerbliche Entwicklung künftig nach folgenden Prinzipien stärken:

  • Flächeneffizienz
  • Nachhaltigkeit
  • Klima-Resilienz

Die Prinzipien gehören auch zu den Leitzielen der Raumordnung. Mehr zu den Leitzielen der Raumordnung erfahren Sie über den weiterführenden Link weiter unten.

Eine zukunftsfähige Wirtschaft, eine intakte Umwelt und ein Ausgleich zwischen den Interessen von Gewerbe und Gesellschaft sind wichtig für einen zukunftsfähigen Gewerbestandort Ostbelgien. So können Potenziale genutzt, Qualitäten verbessert und Schwächen beseitigt werden.

Die vorliegende Gewerbeflächenstrategie soll als Basis dienen.

Welche Handlungsempfehlungen für Ostbelgien?

Die Gewerbeflächenstrategie umfasst Handlungsempfehlungen, auf deren Basis Konzepte für die Entwicklung von Gewerbegebieten erarbeitet werden können. Grundlage für diese Handlungsempfehlungen sind folgende vorangegangene Projekte:

  • Standortanalyse
  • Befragung und Beteiligung von Fachleuten und Akteuren
  • Best-Practice-Beispiele von anderen Gemeinden
  • Ziele der Raumordnung
  • Leitziele des Leitbildes „Ostbelgien leben 2040“

Die vollständige Gewerbeflächenstrategie

Die vollständige Gewerbeflächenstrategie mit allen Handlungsempfehlungen finden Sie hier als Download.

Green LUPO: Projekt zur nachhaltigen Raumentwicklung

Green LUPO ist ein Interreg-Europa-Projekt, das sich mit nachhaltiger Raumentwicklung beschäftigt. Zehn regionale und nationale Raumordnungsbehörden beteiligen sich an dem Projekt. Das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist eine der beteiligten Behörden.

Weitere Projektbeteiligte:

Neben der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind regionale oder nationale Behörden aus Deutschland, Lettland, Polen, Rumänien, Italien, Griechenland, Frankreich, Albanien (Kandidat) sowie Bosnien und Herzegowina (Kandidat) Teil des Projektes.

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Projekthintergrund: „No Net Land Take 2050“

Fast alle europäischen Staaten sind in der Raumentwicklung von einer zunehmenden Verstädterung betroffen. Das wirkt sich negativ auf die Umwelt, sowie soziale und wirtschaftliche Aspekte aus.

Deshalb hat die EU das Ziel des „No Net Land Take“ für das Jahr 2050 in einer Richtlinie festgehalten. Die Mitgliedstaaten sollen bis dahin jegliche Verstädterung und die damit einhergehende Versiegelung minimieren und bis 2050 eine Netto-Null erreichen. Die Siedlungsentwicklung soll somit auf bereits verstädterte Flächen beschränkt werden. Das ist essenziell, um Biodiversität, Landschaftszüge und landwirtschaftlich genutzte Flächen zu erhalten.

Auswirkungen von Zersiedlung

Eine Auswirkung der Verstädterung ist die Zersiedlung. Siedlungsentwicklung unterbricht Grünachsen, beeinträchtigt das Landschaftsbild und ökosystemrelevante Funktionen gehen verloren. Das wirkt sich negativ auf Umwelt und Biodiversität aus.

Neben der Umwelt hat übermäßige Verstädterung auch soziale und wirtschaftliche Auswirkungen:

  • Wenn Land für den Bau neuer Siedlungen genutzt wird, steht es der Landwirtschaft und damit der Lebensmittelproduktion nicht mehr zur Verfügung
  • Wenn sich Siedlungsflächen ausdehnen, erhöhen sich die Kosten für den Bau und Unterhalt von Infrastrukturen für die Erschließung der neuen Viertel
  • Wenn mehr Boden versiegelt wird, steigt das Risiko von Überschwemmungen, weil das Wasser schnell abfließt, anstatt im Boden zu versickern
  • Unkontrollierte Siedlungserweiterungen können dazu führen, dass Siedlungsgebiete sich stark von Dorfzentren entfernen, was das Zusammenleben beeinträchtigt und die Wirtschaftlichkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln reduziert

Zudem wird es für die öffentliche Hand immer schwerer, die Daseinsvorsorge zu gewährleisten. Die Daseinsvorsorge umfasst die grundlegenden Dienstleistungen und Infrastrukturen des alltäglichen Lebens, wie zum Beispiel

  • Wasserversorgung
  • Abfallentsorgung
  • öffentlichen Nahverkehr
  • Gesundheitsversorgung
  • Bildungseinrichtungen
  • Einkaufsmöglichkeiten

Internationale und lokale Workshops

Im Rahmen des Projekts finden sechs Workshops statt, die jeweils in einer der Partnerregionen durchgeführt werden. Ziel der Workshops ist es, einen fachlichen Austausch und gegenseitiges Lernen zu fördern. Jeder Workshop widmet sich einem Schwerpunktthema der nachhaltigen Raumentwicklung.

Die sechs Workshops behandeln folgende Themen:

  • Definition, Monitoring und Klassifizierung von Flächenverbrauch
  • Mobilisierung von Brachflächen
  • Zirkuläres Bauen und Nachnutzung bestehender Bausubstanz
  • Abwägung von Energieproduktion und Flächenverbrauch
  • Raumplanung durch privatwirtschaftliche Verträge mit Flächenschutz
  • Steuerliche Anreize und Instrumente zur Reduzierung von Flächenverbrauch

Im Anschluss an die internationalen Workshops werden die Ergebnisse in lokalen Arbeitstreffen mit den zuständigen Akteuren vertieft und auf die Gegebenheiten der Deutschsprachigen Gemeinschaft übertragen. Dabei fließen Perspektiven aus den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft, Soziales und Wirtschaft zusammen. Die lokalen Arbeitstreffen tragen dazu bei, ein gemeinsames Verständnis der bestehenden Herausforderungen zu entwickeln und erste konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten.

Positionspapiere und Roadmap

Neben der Teilnahme und Organisation der Workshops wird das gegenseitige Lernen zwischen den Partnern und zwischen lokalen Stakeholdern durch die Ausarbeitung verschiedener Positionspapiere (Paper) unterstützt:

  • Baseline-Paper: Analyse des Planungskontexts der Deutschsprachigen Gemeinschaft und der Tendenzen im Flächenverbrauch
  • Good-Practice-Paper: Beschreibung eines guten Beispiels nachhaltiger Raumordnung, beispielsweise der Sanierungsstandorte (SAR) zur Brachflächenentwicklung
  • Case-Study: Analyse einer Raumordnungspolitik und deren Übertragbarkeit, beispielsweise des wallonischen Raumentwicklungsschemas

Aus dem Austausch und dem gegenseitigen Lernen zwischen Projektpartnern und lokalen Stakeholdern wird eine Roadmap erstellt, die die weiterführenden Maßnahmen aufführt. Diese wird im Verlauf des Projekts aktualisiert und bezieht die Resultate der Workshops ein.

Ziel der Deutschsprachigen Gemeinschaft

Die Deutschsprachige Gemeinschaft möchte die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse in den Reformprozess zur Raumordnung einfließen lassen. Die Ausarbeitung oder Anpassung von Planungsinstrumenten wie dem Sektorenplan oder der Raumstrategie steht dabei im Mittelpunkt.

Im Zusammenhang mit Green LUPO wird aktuell an einem Projekt zur Digitalisierung und Analyse des Sektorenplans gearbeitet. Die Resultate des Interreg-Projekts fließen in dieses Projekt ein.