Die wandgebundene Fassadenbegrünung ist relativ neu

Die Systeme bilden in der Regel den Wandabschluss und ersetzen somit andere Fassadenmaterialien wie etwa Holz, Glas oder Faserziment. Sie haben keinen direkten Kontakt mit dem Boden. Das macht sie primär für dicht bebaute Gebiete interessant, wo sie sich positiv und platzsparend auf die Umwelt auswirken.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen der horizontalen und vertikalen Bauweise.

Horizontale wandgebundene Systeme – Regalbauweise

Die linearen Regalsysteme bestehen aus übereinander angeordneten Langrinnen, linear gereihten Kästen oder Töpfen. Man befestigt sie in Konsolen an die Wand. Oder sie stehen auf Konstruktionen, die aus der Wand hervorstehen.

Horizontale wandgebundene Systeme
 

Vereinfacht ausgedrückt: Der klassische Blumenkasten hat sich technisch und gestalterisch zu einem begrünten Regalsystem weiterentwickelt. Je nach Pflanzenwahl und -höhe kann man es unterschiedlich nutzen: als Blickschutz (immergrün), Sonnenschutz (sommergrün) für den Außen- und Innenraum, als Gartenersatz (Terrassenumgrenzung, „vertical farming“) oder als Begrenzung begehbarer Bereiche.

Damit keine bösen Überraschungen entstehen, sind einige Grundvoraussetzungen zu beachten:

  • Je nach Standort und Bauhöhe sind die Pflanzkästen starken Witterungsschwankungen ausgesetzt. Dementsprechend benötigen sie eine mechanische Stabilität bei allen Temperaturen und UV-Beständigkeit.
  • Für das Pflanzenwachstum ist es wichtig, dass sie ausreichend hinterlüftet sind.
  • Vor Fenstern sollten reflexionsarme Gläser verwendet werden, zum Schutz der Pflanze und vor Vogelschlag.
  • Die Gebäudewand muss auf das hohe Gesamtgewicht der Pflanzregale abgestimmt sein. Konkret: Bereits, wenn das Gebäude geplant wird, muss die Entscheidung für die Pflanzenregale fallen. Das gilt ebenso für die erforderlichen Tragkonstruktionen (Kragkonsolen oder Geschossumgänge), auf denen die Pflanzkästen zu stehen kommen.
  • Wie bei normalen Topflanzen wird ein Wasserabfluss (Drainage) benötigt, um Staunässe zu vermeiden.
  • Bei großer Trockenheit muss die Bewässerung gewährleistet sein. Das kann manuell oder automatisch geschehen.
  • Die Pflanzerde muss an die speziellen Anforderungen angepasst sein. Oft kommen bodenähnliche Substrate zum Einsatz, die auch für Dachbegrünung verwendet werden.

Was die Wahl der Pflanzen angeht, bieten die Systeme eine hohe Flexibilität. Neben den Standortfaktoren spielen auch die Begrünungsziele wie etwa Verschattung oder Sichtschutz eine Rolle. Die Pflanzen sollten robust und winterhart sein. Abgesehen davon, kann man auf eine hohe Pflanzenbandbreite zurückgreifen: Stauden, Gräser, Farne, Zwiebel- und Knollengewächse sowie Kleingehölze und Kletterpflanzen.

Systemaufbau

Tragkonsolen oder Vorkonstruktion zur Aufnahme von Einzel- und Linearbehältern 

Gestaltungsraum

Dieses System kann eine sofortige Flächenwirkung erzielen, vorausgesetzt man verwendet vorkultivierte Pflanzen. Die Art der Pflanzen kann je nach Begrünungsziel (Verschattung, Sichtschutz, Ästhetik, usw.) ausgesucht werden.

Pflanzeneignung

Stauden, Gräser, Farne, Zwiebel- und Knollengewächse sowie Kleingehölze und Kletterpflanzen. Letztere benötigen geeignete Kletterhilfen, die zusätzlich mit angebracht werden müssen.

Versorgung

  • Das Substrat muss an den Wasser- und Nährstoffbedarf der Pflanzengesellschaft angepasst werden.
  • Drainage bzw. Bewässerung (automatisch, manuell, Kapillarmatten, usw.) sind von Nöten.
  • Die Gefäße müssen leicht zugänglich sein für Pflege und Wartung.

Vorteile

  • Variable und vielfach größere Pflanzenwahl
  • Kein Platzbedarf am Boden
  • Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Niederschlags- und UV-Schutz der Außenwand
  • Blickschutz
  • Verschattung und Verdunstungsleistung
  • Lebensraum für Insekten und Vögel
  • „Vertical Farming“ möglich
  • Nach Fertigstellung erzielt die Installation eine sofortige positive Umgebungswirkung (Kühlung, Schallabsorption, Feinstaubbindung, CO2-Aufnahme, usw.) und steigert die Aufenthaltsqualität.

Nachteile

  • Höhere Investitionskosten und Vorplanung von Nöten
  • Hohe Ansprüche an Gebäudestatik
  • Mittlerer bis hoher Pflegeaufwand
  • Wasser- und Nährstoffversorgung erforderlich

Pflege

  • 2- bis 3-mal jährlich durchzuführende Instandhaltungsmaßen
  • Rückschnitt und Entfernen von abgestorbenen Pflanzenteilen
  • Ggfs. müssen abgestorbene Pflanzen ersetzt werden
  • Regelmäßiges Düngen
  • Je nach Pflanze müssen sensible Gebäudeteile vom Bewuchs freigehalten werden.

Kosten

  • Investition ca. 230 - 1000 Euro/m²
  • Pflege/Wartung ca. 10 Euro/(m².a), abhängig von der Erreichbarkeit

Pflanzenarten

große Auswahl an Stauden, Gehölzen und Kletterpflanzen

Vertikale wandgebundene Systeme – modulare Bauweise

Man bringt vorgefertigte rechteckige oder quadratische Substratkästen mit einer Bautiefe von 10-25 cm auf eine abgestimmte Unterkonstruktion an die Gebäudeaußenwand an. Sie bilden begrünte Felder aus senkrecht stehenden Gitterbehältern, die aus Recyclingkunstoffen oder korrosionsfreien Metallen bestehen. Weitere Anbieter verwenden direkt begrünbare Ziegel bzw. Stein- oder Betonplatten oder nährstoffhaltige Mattensysteme.

wandgebundene Fassadenbegrünung in vertikaler und modularer Bauweise
 

Je nach System kann man unterschiedliche Pflanzen nutzen - abhängig von der Substratzusammensetzung und -dicke (somit dem verfügbaren Wurzelraum):

  • große Substratkästen: Stauden, Kleingehölze und sogar gewisse Kletterpflanzen
  • begründbare Ziegel und Platten: Moose und Flechten

Die modularen Systeme benötigen eine automatische Bewässerung und kontrollierte Ableitung des Überschusswassers. In der Regel befinden sich unterhalb der Module wasserableitende Rinnen.

Diese Systeme eignen sich ebenfalls dazu, begrünte Trennmauern im Innenhof oder Garten zu schaffen.

Systemaufbau

Vorkonstruktion mit vertikalen Pflanzmodulen (Gitterkörbe, Metall- oder Kunststoffkästen, Trägerplatten, usw.). Auch als Trennmauer oder einzelstehende Elemente einsetzbar.

Gestaltungsraum

Dieses System kann eine sofortige Flächenwirkung erzielen, vorausgesetzt man verwendet vorkultivierte Pflanzen. Die Pflanzen sind jederzeit austauschbar. Die Module können flächendeckend, einzeln oder gruppiert angebracht werden. Die Pflanzenauswahl kann nach Textur, Farbgebung, Blütenstand und Belaubung (immergrün/sommergrün) variiert werden.

Pflanzeneignung

Je nach Größe des vorhandenen Wurzelraums können Stauden, Kleingehölze, Moose/Flechten und gewisse Kletterpflanzen verwendet werden.

Versorgung

Das Substrat muss an den Wasser- und Nährstoffbedarf der Pflanzengesellschaft angepasst werden. Es reichen meist mineralische, feuchtespeichernde Gemische (Lava, Bims, Blähton, …). Substratersatzstoffe, z. B. Steinwollplatten, sind auch denkbar. Die Substratdicke bestimmt das Wurzelvolumen und somit die Wasseraufnahme und das Pflanzvolumen.

Eine automatische Bewässerung ist von Nöten sowie eine Ableitung des Überschusswassers.

Vorteile

  • Variable Pflanzenwahl
  • Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Ersetzt die Fassade
  • Schnelle Montage
  • Auch auf Bestandsgebäuden möglich
  • Niederschlags- und UV-Schutz der Außenwand
  • Erhöhte Dämmwirkung
  • Kühlung und Verdunstungsleistung durch Bewässerung
  • Lebensraum für Insekten und Vögel (Nistmöglichkeiten integrierbar). „Vertical Farming“ möglich.
  • Nach Fertigstellung erzielt die Installation eine sofortige positive Umgebungswirkung (Kühlung, Schallabsorption, Feinstaubbindung, CO2-Aufnahme, usw.) und steigert die Aufenthaltsqualität.
  • Einfach austausch- und rückbaubar

Nachteile

  • Höhere Investitionskosten
  • Mittlerer bis hoher Pflegeaufwand
  • Wasser- und Nährstoffversorgung erforderlich
  • Begrenzung durch die Größe der Module, die ggfs. keine flächendeckende Begrünung ermöglichen
  • Mangelnde Flexibilität (Formvorgabe)

Pflege

  • 2- bis 3-mal jährlich durchzuführende Instandhaltungsmaßen
  • Rückschnitt und Entfernen von abgestorbenen Pflanzenteilen
  • Ggfs. müssen abgestorbene Pflanzen oder kaputte Module ersetzt werden.
  • Regelmäßiges Düngen
  • Sensible Gebäudeteile müssen vom Bewuchs freigehalten werden. 

Kosten

  • Investition ca. 400 - 1200 €/m²
  • Pflege/Wartung ca. 40 €/(m².a), höhenabhängig

Pflanzenarten

Je nach Substratdicke Moosen, Flechten, Stauden, Kleingehölzen und Kletterpflanzen

Vertikale wandgebundene Systeme – flächige Bauweise 

Diese Systeme ermöglichen es, Fassaden teilweise oder ganzflächig homogen zu begrünen, wo eine bodengebundene Begrünung nicht machbar ist. Ein flächiges System wird in der Regel vor Ort individuell erstellt und eignet sich für Massivwände.

Wandgebundene Fassadenbegrünung in flächiger Bauweise

Im Vergleich zeichnet sich die flächige Bauweise durch ihr geringes Gewicht und ihre geringe Aufbaustärke (10 bis 20 cm) aus. Weitere Vorteile: Sie passen sich jeder geometrischen Form an. Ebenfalls können sie bis in große Höhen montiert werden.

Es gibt verschiedene Systeme:

  • Bei den reinen Textilsystemen wurzeln die Pflanzen ohne Substrat direkt im Geotextil. Die Wasser- und Nährstoffzufuhr erfolgt über die Bewässerung.
  • Bei den Textil-Substrat-Systemen wurzeln die Pflanzen sowohl in Substrat als auch im Geotextil. Die Nährstoffe können direkt aus dem Substrat gezogen werden. Der Systemaufbau ist etwas dicker, jedoch müssen keine Nährstoffe über die Bewässerung zugeführt werden. Gleichzeitig sind diese Systeme frostresistenter.
  • Es gibt Metallblechsysteme, die die Aufgabe des Geotextils übernehmen, oder Systeme, bei denen man die Pflanzen in nährstoffhaltige Wandschalen einpflanzt. Diese benötigen ein Bewässerungssystem und kontrollierte Entwässerung.

Man steckt die Pflanzen in die (Textil-)Taschen und befestigt sie, bis sie ausreichend Wurzeln bilden. Die geringe Substratdicke (wenn vorhanden) und die Anforderungen an die Pflanze führen dazu, dass die Auswahl an verfügbaren Pflanzenarten im Vergleich geringer ist. Zum Einsatz kommen eine breite Auswahl an Stauden, Moosen, Gräsern und Kleingehölzen.

Systemaufbau

Vorkonstruktion mit vertikalen Flächen, die gleichzeitig Nahrungs- und Lebensgrundlage für die angesiedelten Pflanzen bilden

Gestaltungsraum

Dieses System kann eine sofortige Flächenwirkung erzielen, vorausgesetzt man verwendet vorkultivierte Pflanzen. Die Pflanzen sind gut austauschbar. Eine große Form-Flexibilität. Die Pflanzenauswahl kann nach Textur, Farbgebung, Blütenstand und Belaubung (immergrün/sommergrün) variiert werden.

Pflanzeneignung

Je nach Größe des vorhandenen Wurzelraums können Stauden, Kleingehölze, Moose und bedingt Kletterpflanzen verwendet werden. 

Versorgung

Der Trägerstoff muss Wasser speichern können und aus geeignetem Material bestehen. Das Substrat braucht eine hohe Wasserspeicherkapazität und sehr großporig sein. Es reichen mineralische Gemische (Lava, Bims, Blähton, …) oder Substratersatzstoffe, z. B. Steinwolle. Die Substratdicke bestimmt das Wurzelvolumen und somit die Wasseraufnahme und das Pflanzvolumen. Eine automatische Bewässerung ist von Nöten sowie eine Ableitung des Überschusswassers.

Vorteile

  • Hohe Anpassungsfähigkeit an jede geometrische Form
  • Auch auf Bestandsgebäuden möglich
  • Variable Pflanzenwahl
  • Zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Ersetzt die Fassade
  • Montage bis in große Höhen möglich
  • Von allen Systemen schnellste Flächenwirkung (2-3 Monate)
  • Geringes Gewicht und geringe Aufbautiefe. Niederschlags- und UV-Schutz der Außenwand
  • Erhöhte Dämmwirkung
  • Kühlung und Verdunstungsleistung durch Bewässerung
  • Lebensraum für Insekten und Vögel
  • Steigert die Aufenthaltsqualität

Nachteile

  • Höhere Investitionskosten
  • Mittlerer bis hoher Pflegeaufwand
  • Wasser- und Nährstoffversorgung erforderlich
  • Reparatur und Entfernung der Systeme sind kompliziert.  

Pflege

  • 2- bis 3-mal jährlich durchzuführende Instandhaltungsmaßen
  • Rückschnitt und Entfernen von abgestorbenen Pflanzenteilen
  • Ggfs. müssen abgestorbene Pflanzen oder kaputte Module ersetzt werden.
  • Regelmäßiges Düngen
  • Sensible Gebäude-teile müssen vom Bewuchs freigehalten werden.

Kosten

  • Investition ca. 500 - 1200 Euro/m²
  • Pflege/Wartung ca. 40 Euro/(m².a), höhenabhängig

Pflanzenarten

Je nach Substratdicke Moosen, Flechten, Stauden, Kleingehölzen und Kletterpflanzen