Ihr Verein findet keinen Vorstand? Sie brauchen keinen!

Präsident, Schriftführer, Kassierer? Nicht obligatorisch!

Teamorientiertes_Vereinsmanagement_Pyramide

Die VoG-Gesetzgebung kennt die Begriffe Präsident, Schriftführer und Kassierer nicht. Die Aufgaben sinnvoll zu verteilen, ist für einen Verwaltungsrat mit Sicherheit ratsam. Aber das Gesetz lässt den Vereinen dabei freie Hand. Lediglich ein Vorsitzender muss bestimmt werden. Er hat zwei Aufgaben:

  • die Generalversammlungen und die Sitzungen des Verwaltungsrates leiten
  • die Protokolle dazu unterschreiben

Aber: Sie können zu Beginn jeder Versammlung festlegen, wer dies tut. Der Name des Vorsitzenden muss nicht im Belgischen Staatsblatt veröffentlicht werden.

Beispiel: Königlicher Musikverein „Zur alten Linde“

Statt eines klassischen Verwaltungsrats wählt der Verein ein Koordinationsteam. Das besteht aus vier Personen, die die Bereiche Finanzen, Organisation, Verwaltung und Public Relations/Marketing/Sekretariat übernehmen. Eine von ihnen übernimmt den Vorsitz.

Jeder Koordinator ist zuständig für einen bestimmten Bereich, der verschiedene Unter-Aufgaben übernimmt. Diese erledigen Vereinsmitglieder, die sich freiwillig melden.

„Unter den geänderten Bedingungen der heutigen Zeit werden nur die Musikvereine überleben, die sich schnell und flexibel anpassen und weiterentwickeln. Und wie gelingt dies? Indem alle Musiker am Verein arbeiten und nicht nur mitspielen.“

Alexandra Link von blasmusikblog.com

Für den Musikverein war dies eine große Umstellung, die ein ganzes Jahr gebraucht hat und weiterhin andauert. Im ersten Jahr hat der „alte“ Vorstand noch unterstützt und sein Wissen weitergegeben. Aber es hat sich gelohnt: Die verbesserte Kommunikation und die Mitglieder in die Vereinsentscheidungen einzubeziehen, kommen gut an.

Weitere Beispiele finden Sie im Praxisbeispiel in den Downloads. Hier gilt jedoch: Jeder Verein stellt sich so auf, wie es für ihn am besten passt.

Teamorientierte Vereinsführung

Zum Vergrößern einfach klicken

So lautet der Begriff für das, was der Musikverein „Zur alten Linde“ umgesetzt hat. Anders formuliert: Der Verein mit all seinen Mitgliedern steht im Zentrum. Ihn umgibt idealerweise eine Organisationsstruktur mit verschiedenen Bereichen oder Teams, die aus Mitgliedern bestehen. Diese können wiederum Arbeitsgruppen bilden. Die Bereiche funktionieren selbstorganisiert. Die Person mit der größten Kompetenz in diesem Bereich fungiert als Manager dieses Bereichs. Die Manager der einzelnen Bereiche bilden die ‚Vorstandschaft‘.

Dieses Prinzip kann auch eine Lösung für folgende Situationen sein:

  • Sie finden keinen Vorstand?
  • Keiner möchte den Vorsitz übernehmen?
  • Das Phänomen der Unverbindlichkeit geht im Verein um?
  • Wie können die aktiven Mitglieder positiv an den Verein gebunden werden?
  • Wie kann deren Motivation für die Gemeinschaft gesteigert werden?

Alexandra Link von blasmusikblog.com

 

Sie beschäftigt sich intensiv damit, wie Vereine funktionieren. Sie gilt als Expertin für teamorientierte Vereinsführung im deutschsprachigen Raum. Sie kommt aus dem Sektor der Musikvereine und Chöre; ihr Fokus liegt dabei auf der Blasmusik. Ihre Überlegungen und Hinweise lassen sich jedoch zu großen Teilen auf andere Vereine übertragen. Weitere Informationen finden Sie unter den Links.

Die Überlegungen von Alexandra Link wurden auf die belgischen Vorgaben für VoGs angepasst (für die faktischen Vereinigungen ist es eh unkompliziert). Das Ergebnis finden Sie in unserem Faltblatt. Sie finden es im Download oder in gedruckter Form am Empfang des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Was beim Netzwerktreffen zum teamorientierten Vereinsmanagement rauskam, finden Sie ebenfalls im Downloadbereich (unter „Her mit den neuen Strukturen“).