Kultur
Neuankäufe für die Kunstsammlung
Neuanschaffungen 2025: Teil 4
Auch 2025 hat die Deutschsprachige Gemeinschaft wieder interessante Kunstwerke für die Kunstsammlung angekauft. Hier erfahren Sie mehr über die einzelnen Werke und Ihre Schafferinnen und Schaffer.
Die Neuankäufe bestehen wieder aus einer Mischung aus verschiedenen Stilen und Disziplinen. In diesem Artikel erhalten Sie einen Einblick in:
- „Flut als Inspiration“ von Petra Michel-Neumann
- „Das Wesen der Tiere“ von Wolfgang Binding
- „Alles Übel unserer Welt“ von Hubert Schäfer
Weitere Infos zu den Neuanschaffungen und Künstlern finden Sie über die weiterführenden Links.
Petra Michel-Neumann: Flut als Inspiration
Petra Michel-Neumann ist 1963 in Eupen geboren. Sie zeigt seit vielen Jahren ihre Werke regelmäßig in regionalen Einzel- und Gruppenausstellungen. Sie hat Meisterkurse bei Antonio und Rafael Ramirez Maro belegt.
Petra Michel-Neumanns Malerei lässt sich stilistisch nicht einordnen. Die Künstlerin erhält sich die Freiheit, in immer verschiedenen Formen, Farbpaletten und Techniken zu arbeiten. Thematisch bewegt sie sich zwischen:
- Alltäglichem,
- dem Menschen,
- der Natur und
- manchmal auch Dingen und Ereignissen, die sie tiefer bewegen.
Letzteres ist der Fall bei den Werken, die die Deutschsprachige Gemeinschaft nun von der Eupener Künstlerin erworben hat: Die beiden Bilder behandeln auf unterschiedliche Weise die Flutkatastrophe im Juli 2021 in der Eupener Unterstadt.
Die erste Arbeit zeigt den Moment der Katastrophe: Auf der Zeichnung in Monotypie-Technik sind Häusersilhouetten und die Balustrade eines bekannten Aussichtspunktes zu erkennen, darüber eine Lage von kartografisch wirkenden Rechtecken mit abstrahierten Wasserstrudeln.
Die andere Zeichnung, ein mit Stiften bearbeitetes Aquarell in frühlingshaften Farben, zeigt deutlich die Eupener Unterstadt, wohl einige Zeit nach der Überschwemmung. Dabei wirken die beiden zusammenfließenden Flüsse in der Bildmitte immer noch bedrohlich.
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Wolfgang Binding: Das Wesen der Tiere
Wolfgang Binding ist durch seine Ausbildung, seine lange Lehrtätigkeit an der RWTH Aachen und sein umfangreiches Werk einer der prägenden Bildhauer und Zeichner der Region Aachen. Er ist 1937 in München geboren. Wolfgang Binding lebt und arbeitet seit 1993 in Eynatten.
Bekannt ist er vor allem für seine Tierskulpturen aus Bronze, die vielerorts auch im öffentlichen Raum zu sehen sind. Weniger bekannt ist sein zeichnerisches Werk, das größtenteils aus den Skulpturen vorausgehenden Skizzen besteht. Diese sind jedoch keine Studien im klassischen Sinn, sondern eigenständige Kunstwerke. Die Arbeiten wirken zeitlos, ehrlich, spontan und ohne dekorativen Anspruch.
Die sechs für die Kunstsammlung der Deutschsprachigen Gemeinschaft erworbenen Tierskizzen dokumentieren des Künstlers sichere Hand und die jahrzehntelange Erfahrung und Vertrautheit mit der heimischen Tierwelt. Mit wenigen, lebendigen Linien erfasst er Haltung und Charakter jedes Tieres.
Die Zeichnungen entstehen die letzten Jahre meist aus dem Gedächtnis, da Binding fast erblindet ist. Gerade diese Einschränkung führt zu einer noch stärkeren Reduktion auf das Wesentliche:
- klare Formen
- spontane Linien
- unverstellter Ausdruck
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Hubert Schäfer: Alles Übel unserer Welt
Hubert Schäfers Ölgemälde sind bildgewaltig. Sie sind von Symbolik durchzogen und reich an Verweisen auf Popkultur sowie Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Philosophie. Sie entführen die Betrachter auf eine Reise voller visueller Entdeckungen und gesellschaftskritischer Anspielungen.
Das Gemälde „Erstkommunion“ beschreibt der 82-jährige Künstler folgendermaßen:
„Dieses komplexe „Wimmelbild“ ist ein sehr subjektiver und höchst unvollständiger Versuch einer Darstellung abendländischer Kulturgeschichte. Der kleine, zartbesaitete und wehrlose Junge muss seinen Weg zu seinem Höheren Selbst finden, in einer Welt, die beherrscht wird von religiösem Wahn und Bigotterie, von Gewalt, Geld- und Machtstreben, Mitläufertum und Opportunismus, moralischer Verdorbenheit und Geltungssucht, Gängelung und Überwachung, maßlosem Konsum sowie allgegenwärtigem und verlogenem Medienrummel.“
Das Gemälde „Beginn der stillen Zeit“ stellt eine Straße in Elsenborn dar, wie man sie in vielen Dörfern der Region findet. Die von Laubbäumen gesäumte Straße erstrahlt im warmen Licht des Herbstes. Auf dem Bürgersteig ist ein Mann mit einem Laubbläser zu sehen, der das fallende Laub vom Weg bläst. Inmitten der sogenannten „stillen Jahreszeit“ die akustische Präsenz des Laubbläsers, dessen Lärm die vermeintliche Ruhe und Beschaulichkeit der Szenerie spürbar konterkariert.
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