Kultur

Handwerk in der Denkmalpflege

Trockenmauern – Tradition, Natur und Handwerkskunst

Trockenmauern prägen seit Jahrhunderten unsere Kulturlandschaften und stehen für ein überliefertes Handwerk, das zunehmend verloren zu gehen droht. Gezielte Weiterbildungen bewahren dieses kulturelle Erbe für kommende Generationen.

Was sind Trockenmauern?

Trockenmauern bestehen aus Natursteinen, die ohne Mörtel oder andere Bindemittel aufgeschichtet werden. Ihre Stabilität entsteht allein durch das geschickte Anordnen der Steine, ihr Eigengewicht und eine präzise Verzahnung.

Diese Bauweise erfordert ein gutes Auge für Formen und Größen sowie ein tiefes Verständnis für die Materialeigenschaften der Steine. Trockenmauern dienen seit Jahrhunderten als Stützmauern in Weinbergen, zur Terrassierung von Hängen oder zur Einfriedung von Grundstücken.

Kulturhistorische Bedeutung

Der Trockenmauerbau hat eine lange Geschichte und ist eng mit der Entwicklung der landwirtschaftlichen Kulturlandschaften verbunden. In steilen Regionen ermöglichten Trockenmauern die Nutzung der Flächen für den Wein- und Obstanbau. Durch die Verwendung von vorhandenem Gestein sind sie Ausdruck regionaler Bauweisen und prägen bis heute das Landschaftsbild vieler Gegenden. Ihr kultureller Wert ist so bedeutend, dass die UNESCO den Trockenmauerbau als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat. Jede Mauer erzählt ein Stück Geschichte über die Menschen, die sie errichtet und gepflegt haben.

Warum ihr Erhalt wichtig ist

Trockenmauern sind weit mehr als funktionale Bauwerke. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum: In ihren Spalten finden Insekten, Eidechsen und seltene Pflanzen Schutz und Nahrung. Gleichzeitig tragen sie zum Bodenschutz bei, da sie Erosion verhindern und Regenwasser besser versickern kann.

Auch aus ökologischer Sicht sind sie nachhaltig: Sie kommen ohne Zement aus, sind langlebig und lassen sich reparieren. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zum Klimaschutz.

Wissen und Fähigkeiten

Der Bau und die Pflege von Trockenmauern erfordern spezielles handwerkliches Können sowie Kenntnisse über geeignete Gesteine und statische Zusammenhänge. Zudem muss die Drainage stimmen, damit sich kein Wasser staut. Praktisch bedeutet das: Steine sorgfältig auswählen, passend platzieren und mit Geduld schichten.

Neben technischem Wissen benötigt man außerdem gestalterisches Gespür, damit sich die Mauer harmonisch in die Landschaft einfügt.

Weiterbildungen im Trockenmauerbau

Die AWaP (Agence wallonne du Patrimoine) bietet in Zusammenarbeit mit dem Interreg-Projekt ECOPIERRE Weiterbildungen im Bereich des Trockenmauerbaus an:

  • Einwöchiger Kurs: für Interessierte sowie Fachkräfte aus dem Bauwesen mit Grundkenntnissen in Mauerwerk, Steinbearbeitung oder Landschaftsgestaltung. Ziel ist es, die grundlegenden Techniken des Trockenmauerbaus zu erlernen. Der Kurs vermittelt sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Fertigkeiten.
  • Zweiwöchige qualifizierende Ausbildung: für Fachkräfte aus dem Bauwesen mit Erfahrung in der Maurerarbeit, der Steinbearbeitung oder im Landschaftsbau. Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung ab.

Die Weiterbildungen sind dank der Kofinanzierung durch die Europäische Union kostenlos. Sie bieten die Gelegenheit, das traditionelle Handwerk des Trockenmauerbaus zu erlernen und weiterzugeben.

Sie haben Interesse?

Informationen zur Anmeldung finden Sie auf der Website der AWaP unter den weiterführenden Links.