Neuankäufe für die Kunstsammlung
Neuanschaffungen 2025: Teil 3
Auch 2025 hat die Deutschsprachige Gemeinschaft wieder interessante Kunstwerke für die Kunstsammlung angekauft. Hier erfahren Sie mehr über die einzelnen Werke und Ihre Schafferinnen und Schaffer.
Die Neuankäufe bestehen wieder aus einer Mischung aus verschiedenen Stilen und Disziplinen. In diesem Artikel erhalten Sie einen Einblick in:
- „Schönheit des Stillstands“ von Chloé Op de Beek
- „Ästhetik der Dynamik“ von Wolfgang Nestler
- „Heilende Rituale“ von John Franzen
Weitere Infos zu den Neuanschaffungen und Künstlern finden Sie über die weiterführenden Links.
Chloé Op de Beek: Schönheit des Stillstands
Chloé Op de Beek ist eine belgische Künstlerin, die mit Film, Fotografie und installativen Formen arbeitet. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist sie spätestens seit ihrer Einzelausstellung 2024 im IKOB bekannt.
Ein junger Mann, der scheinbar an der Haltestelle auf den Bus wartet. Nichts Spektakuläres geschieht: Der Mann steht, blickt in verschiedene Richtungen, bleibt still. Im Hintergrund sind das Rauschen vorbeifahrender Autos und leise Umgebungsgeräusche zu hören – ein akustisches Echo des Alltags, das das Gefühl von Ort und Zeit subtil verstärkt.
Das rund viereinhalbminütige Video „Movement“ von Chloé Op de Beek greift zentrale Fragen der Gegenwartskunst auf:
- Wie lässt sich Zeit filmisch darstellen?
- Welche ästhetische Kraft liegt im Stillstand?
In einer Kultur permanenter Bewegung und Beschleunigung lenkt Op de Beek die Aufmerksamkeit auf das vermeintlich Unbedeutende – auf das Warten, das Nicht-Ereignis, das uns sonst entgeht. Und doch entsteht dabei auch eine kleine Studie des menschlichen, bewussten wie unbewussten Verhaltens in einer bestimmten Umgebung und Situation.
Das Video, durch dessen Ankauf auch eine mediale Lücke in der Kunstsammlung der Deutschsprachigen Gemeinschaft geschlossen wird, entstand am belgisch-deutschen Grenzübergang Köpfchen.
Wolfgang Nestler: Ästhetik der Dynamik
Wolfgang Nestler: „Zwei Töne, die einander jagen“, 2024, Stahl,137x27x2 cm
Wolfgang Nestler wurde 1943 geboren. Er lebt und arbeitet in Kalterherberg und steht seit vielen Jahren in enger Beziehung zu Ostbelgien. Er ist vielen durch seine hiesigen Ausstellungen und sein Engagement in Verbindung mit dem IKOB bekannt.
Seine Werke vereinen akkurate, nüchterne Material- und Formästhetik und energetisch-dynamische Mechanik. Besondere Originalität entsteht dabei durch die Findung und Nutzung von mitunter überraschenden physikalischen und optischen Gesetzen. Die Betrachter werden eingeladen, aktiv zu werden, zu entdecken und mitzugestalten. Die Metallkörper, die Holzfiguren, die Kombinationen aus Seilen und Metallstäben, die blechernen Auffaltungen, die linearen und schwergewichtigen Raumzeichnungen sind materialisierte Aufforderungen, mit Körper und Geist am Werkprozess teilzuhaben.
So auch die Arbeit „Zwei Töne, die einander jagen“, die nun in die ostbelgische Kunstsammlung aufgenommen wurde. Die einfache, auf den ersten Blick in ihrer Mechanik leichtverständlich wirkende Metallkonstruktion animiert dazu, durch Manipulation aus ihrer statischen Stille erweckt zu werden. Sie ist im Ruhe- wie im Aktionszustand gleichermaßen ein ästhetisch ansprechendes Kunstwerk.
John Franzen: Heilende Rituale
„Each Line one Breath“, 2017, Fineliner auf Papier, 120 x 160 cm
John Franzen wurde 1981 in Deutschland geboren. Einen Teil seiner Kindheit und seine Jugend verbrachte er in Eupen, wo er am Robert-Schuman-Institut seine kreativen Fähigkeiten weiterentwickelte. Künstlerische Reife erwarb er, nach einem Zwischenspiel als Holzfäller und Naturpädagoge, beim anschließenden Kunststudium in Maastricht, wo er bis heute lebt und arbeitet.
John Franzen versteht seine künstlerische Arbeit als Erforschung der Grundprinzipien des Universums. Er beschäftigt sich mit Dunkelheit, Leere, Zerstörung und Schöpfung und sieht sich zugleich als Forscher und Schamane. Ausgangspunkt des grafischen Teils seiner Arbeit ist der einfache Strich -one line- als Ursprung aller Formen. Die Arbeit aus der Serie „each line one breath“, die für die Sammlung der Deutschsprachigen Gemeinschaft erworben wurde, ist eine Weiterentwicklung dieser Idee. Sie ist aus einem meditativen Prozess und einer performativen Handlung heraus entstanden.
Entgegen dem Erschaffen von Schönheit sind bei anderen Projekten Düsternis und Zerstörung die Triebfedern von Franzens Arbeit. Doch egal, ob Dunkelheit oder strahlende Ästhetik: Jedes seiner Werke verbindet experimentelle Forschung mit einem persönlichen Ritual und dient zugleich der Erkenntnis und der inneren Heilung.