Die Kunststudentin

Anna Wilmes – Robert-Schuman-Institut Eupen

Anna Wilmes‘ erstes Jahr in der Sekundarschule entsprach nicht ihren Erwartungen. Der einzige Unterricht, den sie wirklich liebte, war der Kunstkurs. Aber den hatte sie nur zwei Stunden in der Woche. In dieser Zeit entdeckte sie ihre Vorliebe für Kunstgeschichte, insbesondere für die Renaissance. Auch das Malen mit Acryl und Öl machte ihr großen Spaß. Wenn sie verschiedene Farben miteinander vermischte, erweckte das ihre Werke zum Leben. Wie konnte sie mehr davon bekommen? Wie konnte sie sicherstellen, dass sie sich ihrer Leidenschaft näherte, anstatt von ihr abzuweichen?

„Ich finde es sehr wichtig, dass alle jungen Menschen Zugang zu Kunst und Kultur haben. Das erlaubt ihnen, sich zu entfalten.“
Zitat: Anna Wilmes

Als sie diesen Fragen nachging, entdeckte Anna, dass es in Ostbelgien ein vielfältiges Angebot an Schulen gibt. Bei ihren Recherchen stieß sie auf das Robert-Schuman-Institut in Eupen (RSI), das für Sekundarschülerinnen und -schüler eine Kunstausbildung anbietet. Mittlerweile besucht sie diese Schule und hat die Fachrichtung „Angewandte Kunst und Grafik“ gewählt, die es ihr ermöglicht, in verschiedene Bereiche einzutauchen::

  • Fotografie,
  • Illustration,
  • Grafikdesign,
  • Malerei und
  • Farbtheorie

Besonders beeindruckt hat sie im Rahmen des Projektes „Kultur macht Schule“ der Workshop „Ist das Kunst oder kann das weg“. Im Museum für Zeitgenössische Kunst (IKOB) philosophierten die Schülerinnen und Schüler dabei über die Gegenwartskunst. „Wenn wir an Kunst denken, denken wir nur an die letzten Jahrhunderte, aber Kunst ist in jeder Epoche wichtig und inspirierend. Und je mehr ich lerne, desto mehr möchte ich selbst erschaffen“, sagt Anna.

Inspiriert durch das gleichnamige Projekt im schweizerischen Kanton Aargau verfolgt „Kultur macht Schule“ das Ziel, Kultur und Kreativität in den Unterricht zu integrieren. Dazu stellt die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens den Kindergärten, Primar-, Sekundar- und Förderschulen jedes Jahr ein vielfältiges Kulturprogramm bereit. Auch ein Großteil des administrativen und finanziellen Aufwands wird von der Gemeinschaft übernommen. Und das Konzept hat sich bewährt: Mittlerweile werden etwa 17.000 Schülerinnen und Schüler in ganz Ostbelgien erreicht. Die Auseinandersetzung mit Kultur stärkt die Methodenkompetenzen und sozialen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen, was ihre persönliche Entwicklung unterstützt.

Die Kunststudentin
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