Studie 2018: Wie sieht die Lebensrealität junger Ostbelgier aus?

Jugendliche halten Sprechblasenplakate vor ihr Gesicht.

Um den ersten Jugendbericht auf die Beine zu stellen, griff man auf bestehende Daten der Katholischen Universität Leuven zurück. Diese Informationen bezogen sich weitgehend auf die ostbelgische Jugend und wurden systematisiert und analysiert.

Trotzdem blieb die Datenlage zur Situation Jugendlicher in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sehr dünn. Deshalb trug man mehr Material anhand von Diskussionen in Fokusgruppen mit jungen Erwachsenen zusammen.

Dabei folgt die Struktur des ersten Jugendberichts der Bildungs- und Berufslaufbahn, d.h. vom Eintritt in das Bildungssystem bis zum Übergang in den Arbeitsmarkt. So gibt er umfassend Einblick darin, wie die Lebensrealität junger Menschen in der Region aussieht. Zum Schluss ging er einigen bereichsübergreifenden Themen im Zusammenhang mit Wohlbefinden und soziokulturellen Aktivitäten auf den Grund.

Was kam dabei raus?

  • Ostbelgische Schüler schneiden im Vergleich zu anderen OECD-Ländern gleich gut oder sogar besser ab.
  • Junge Erwachsene sind im Allgemeinen recht zuversichtlich in Bezug auf ihre globalen Kompetenzen und wollen in der Schule mehr über Politik und Gesellschaft erfahren. Nach der Schule sinkt das politische Interesse oftmals und steigt mit dem Alter wieder an.
  • Der sozioökonomische Hintergrund und die ethnische Zugehörigkeit der Schüler in Ostbelgien haben einen vergleichsweise geringeren Einfluss auf ihre Kompetenzen als in anderen Teilen Belgiens.
  • Im Allgemeinen fühlen sich die ostbelgischen Schüler in der Schule wohler als in den anderen Sprachgemeinschaften. Das Wohlbefinden in der Schule ist hoch.
  • Fast zwei Drittel der jungen Ostbelgierinnen und Ostbelgier wollen eine Hochschulausbildung absolvieren, nur einer von zehn möchte eine Berufsausbildung absolvieren.
  • Die Schulabgänger in Ostbelgien fühlen sich von den traditionellen Studiengängen der Hochschulbildung (z.B. Wirtschaft, Recht, Ingenieurswesen, Pädagogik) angezogen. Dies könnte mit dem allgemeinen Stabilitätsstreben der jungen Erwachsenen zusammenhängen.
  • Immer mehr Studenten sind dazu bereit, fürs Studium ins Ausland zu gehen (insbesondere nach Deutschland). Die Mehrheit der angehenden Studierenden besucht im französischsprachigen Teil Belgiens eine Universität.
  • Auch wenn junge Menschen gerne im Ausland studieren, hegen viele den Wunsch, nach dem Studium oder nach ersten Arbeitserfahrungen in die Heimat zurückzukehren.
  • Für junge Arbeitnehmer in Ostbelgien scheinen drei Aspekte von besonderer Bedeutung zu sein: Stabilität und Sicherheit, Möglichkeiten des lebenslangen Lernens und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (Familie).
  • Die Arbeitsmarktposition junger Menschen ist gut, mit einer sehr geringen Zahl von (Jugend-)Arbeitslosigkeit.
  • Generell sind Jugendliche und junge Erwachsene glücklich und optimistisch in Bezug auf die Zukunft.
  • Ehrenamt: Fast neun von zehn jungen Erwachsenen beteiligen sich in einem Verein, meist einem Sportverein und/oder einer Jugendbewegung.
  • Es gibt innerhalb Ostbelgiens (Nord und Süd) bemerkenswerte Unterschiede in verschiedener Hinsicht. So scheinen beispielsweise starke lokale Identitäten (und die Verbundenheit mit Ostbelgien als Heimat) im Süden lebensgeschichtlich früher zu entstehen als im Norden.